Die  Hilter Mühle

in Lathen/Ems


Auszug aus dem Jahrbuch des

Emsländischen Heimatvereines 1965

Die Dürkensche Mühle auf dem Hilter Berg

Von Gerhard Kromschröder, Meppen

Motorenlärm erfüllt die drückende Luft des heißen Sommertages. Langsam schiebt sich die Fahrzeugkolonne in Richtung Norden über den Bahnübergang bei Tinnen. Zahllose Pneus wirbeln, den Straßenstaub der B 70 auf, der sich in den Wipfeln der Kiefern verfängt. Die Personenwagen mit Nummernschildern aus ganz Deutschland sind vollgepackt mit Urlaubsgepäck, Erholungsbedürftigen und den besten Hoffnungen auf sonniges Wetter an der Nordsee. Für den Strom der Urlaubshungrigen scheint das Emsland nicht mehr als ein Landstrich zu sein den man hinter sich bringen muß, um richtig Urlaub machen zu können. Hier scheint nichts, aber auch gar nichts, für den oberflächlich Betrachter attraktiv genug zu sein, das einen Aufenthalt lohnt. Ein Wagen schert nach links aus. Ein Schild "Hilter Mühle" weist in einen schattigen Weg, auf dem schon einige Fahrzeuge parken. Der Wagen geht in die Federn, die Türen fliegen auf und eine von der stundenlangen Autofahrt ermüdete Familie steigt aus. Einige hundert Meter hinter den Bäumen ist eine Windmühle zu erkennen. Der Junge zieht seinen Vater aufgeregt am Ärmel: "Sieh mal Paps, eine Windmühle. Ich habe immer gedacht, die Dinger gäbe es nur in Holland. Hier bleiben wir aber eine Zeitlang!"
Die Dürkensche Mühle auf dem Hilter Berg, 1964 vom Heimatverein für den Kreis Aschendorf-Hümmling renoviert, ist eine der wenigen Windmühlen des Emslandes, die heute noch mit Windkraft angetrieben werden können. Ihre rund 50 Artgenossinnen an Ems und Hase sind heute meist nur noch als Torso erhalten. Die Hilter Mühle streckt ihr breites Flügelkreuz weit in den wolkenbeladenen Himmel. Manchmal scheint es, als wolle sie eine der mit den Formen des Barock reich geschmückten Wolken vom Himmel herunterholen.
Von der Kuppe des 34 m hohen Hilter Berges, auf dem die Mühle seit fast 150 Jahren ihren Platz hat, bietet sich dem Auge das Land an der Ems in vielschichtiger Schönheit dar: Nach Norden hin dehnt sich das braune Moor, in der Ferne blitzt am Horizont der Turm der Pfarrkirche Lathen, im Osten beginnen die sanftgeschwungenen Hügel des Hümmlings, auf der Ems schleppen die Kähne geduldig ihre Lasten stromauf und stromab, im Westen liegt am Fuße des Berges ein heute verlandeter Emsarm, der Thümer. Mit Superlativen sollte man aus gutem Grund vorsichtig sein, aber hier scheint die Behauptung, der Hilter Berg und seine Umgebung sei die landschaftlich reizvollste Gegend des Emslandes, zu Recht zu bestehen.
Der Hilter Berg ist die letzte große Kuppe der Geesthöhen, die den Fluß auf seinem Weg zum Meer begleiten. Auf der Strecke Borken – Hilter reichen die Geesthöhen bis dicht an das Flußbett heran, wo sich zum Teil bis zu zwölf Meter hohe Steilufer gebildet haben. Östlich des Hilter Berges zieht sich die Ems in einem weiten Bogen nach Osten hin, um sich dann in das breitere und flacher werdende Emstal zu ergießen. An der auslaufenden Emsschleife liegt die Ortschaft Hilter, die dem Berg, auf dem heute die Mühle steht, den Namen gab. Hilter erscheint erstmals urkundlich als Helderi im Jahre 854 zusammen mit Lodon (Lathen), Dude (Düthe), Embini (Emen), Dynnon, (Tinnen) und Meldesdorp (Melstrup). Hauptort und Pfarrbezirk dieser Dörfer war Lathen. Ähnlich wie Emen, Tinnen und Frackel weist Hilter auf eine frühe Dorfansiedlung mit Ackerbau hin.Im 11. Jahrhundert sind bei den Einkünften des Klosters Corvey aus der Diözese Osnabrück auch Abgaben aus Hilter verzeichnet. So liefert ein Alberight aus Hilter zwei Eier und zwei Tuche an Corvey.
Da Hilter zum Gerichtsbezirk Düthe gehörte, mußten die Abgaben des Dorfes nach Düthe gezahlt werden. Wie aus dem Meppener Renteiregister aus dem Jahre 1551 hervorgeht, mußten die von Hilter ("de van hilter") für den Herbstschatz ("upborung an hervestbeede") drei Mark, neun Pfennige und drei Heller bezahlen. Im Vergleich dazu mußte Lathen zwei Mark, sechs Pfennige und neun Heller aufbringen, Dörpen 25 Mark. Im gleichen Verzeichnis werden zwei Einwohner von Hilter besonders erwähnt: "Wotker to hilter" bezahlt drei Pfennige Pachtgeld, "hiltermanns Erve" sechs Pfennige für den Herbstschatz.
Der erste urkundliche Nachweis dafür, daß in Hilter ein Müller ansässig war, findet sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der erste urkundlich erwähnte Müller von Hilter trägt zugleich den Namen des letzten: Dürken. Dieser Vorfahre der Familie Dürken, die in der Geschichte der kleinen Ortschaft eine große Rolle spielt, erregte einiges Aufsehen, als er eine Adelige heiratete. Diedrich Dürken betrieb an dem Abfluß des inzwischen vollkommen verlandeten Thümer Sees zur Ems hinter dem alten Dürkenschen Hof am Ortseingang von Hilter (heute Wilmes) eine Wassermühle. Es war zu dieser Zeit geradezu skandalös, als Diedrich Dürken, der einfache Müller, Beke Letmathe von Maneel ehelichte. Sie stammte von Gut Beel (heute Altersheim Beel) an der Ems, das aus einem Rittersitz Spyk entstand, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts von dem Landegger Burgmann von dem Beele geschaffen sein dürfte.
Zusammen mit ihrer Schwester Anna Elisabeth sollte Beke von Maneel, verehelichte Dürken, das Gut Beel erben. Aber wegen ihrer unebenbürtigen Heirat verzichtete sie "freiwillig" auf ihren Erbteil. Am 21. März 1656 einigte sich Beke von Maneel mit ihrer Schwester Anna Elisabeth dahingehend, daß im Falle eines kinderlosen Todes von Anna Elisabeth das Gut auf deren Gemahl übergehen solle. So geschah es dann auch. Beke von Maneel ging leer aus; sie zog in die Wassermühle ihres Mannes in Hilter; das Gut ging in den Besitz der Kinder ihrer Schwester über.

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In dieser Zeit wird es auch gewesen sein, daß Müller Dürken seine Wassermühle in Hilter aufgab und Windmüller wurde. Die Wassermengen, die der langsam verladende Thümer abgab, reichten nicht mehr aus, um die Schaufelräder der Mühle anzutreiben.
Der Hilter Berg war ein idealer Platz für die neue Windmühle, die als Bockwindmühle südlich der jetzigen Dürkenschen Mühle auf der Bergkuppe gebaut wurde. Die Wassermühle im Dorf wurde abgerissen; noch vor einigen Jahren konnte man auf den Wiesen hinter dem alten Dürkenschen Hof Steine sehen, die aus dem Gemäuer der Wassermühle stammten.
Als im Jahre 1771 erstmals eine größere Anzahl von Hilter Bauern genannt wird, taucht auch hier wieder der Name Dürken auf. In dem Meppener Renteiregister von 1771 werden die Bauern in "frey" und "stifts eigen" unterteilt. "Stifts eigen" bedeutet, daß der Bauer seinen Hof von einem Stift als Lehen erhielt; der mit "frey" bezeichnete Bauer war zwar Besitzer des Hofes, mußte aber dennoch Abgaben im Sinne der heutigen Steuern zahlen. Folgende Bauern aus Hilter werden in dem Renteiregister erwähnt (in Klammern die Abgaben):
  • Volcker Hermann zu Hilter, stifts eigen (zwei Scheffel Hafer, ein Rind und dreieinhalb Schilling Pachtgeld);
  • Schulten Tijke, daselbst, stifts eigen (zwei Scheffel Hafer);
  • Stevens zu Hilter, frey (ein Scheffel Hafer und ein Rind);
  • Lake zu Hilter, frey (ein Scheffel Hafer und ein Rind);
  • Kone (auch Cone) zu Hilter, frey (ein Scheffel Hafer);
  • Hermann Dürke - es handelt sich hier um ein Mitglied der Familie Dürken, der an anderer Stelle auch Dureker genannt wird - , frey (ein Scheffel Hafer und ein Rind).
Außerdem zahlen im gleichen Jahr der letztgenannte Hermann Dürke, sowie Kone, Lake und Hermann Krallmann (alle frey) zusammen drei Mark, neun Schilling und acht Heller für den Herbstschatz.
Die Familie Dürken und die Dürkensche Mühle auf dem Hilter Berg werden auch wieder im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts erwähnt, als der Lathener Obervogt Theodor Hermann Nankemann durch Kiefernanpflanzungen den erfolgreichen Versuch einer "Dämpfung des Wehsandes" unternimmt.
In einem "Verzeichnis deren im Gericht Lathen unter Direktion und Aufsicht des Obervogten Nankemann angelegten und grosseten Teil besahmten Tannenkämpe" aus dem Jahre 1783 (siehe Jahrbuch des Emsländischen Heimatvereins von 1964) wird erwähnt, daß man in Hilter "ohnweit der dürker windmühlen" ein Gebiet von 105 Scheffel Einsaat (rund 50 Hektar) mit Kiefern bepflanzt habe. Im gleichen Verzeichnis wird in der "Baurschaft Tinnen", von einem rund 225 Hektar großen Aufforstungsgebiet "von der Dürker windmühlen bis in den Hengste Berg das Tinner große sand genannt" berichtet. Das erste, neu mit Kiefern bepflanzte Gebiet lag nördlich der heutigen Hilter Mühle, das zweite südlich.
Bekanntlich standen die Markgenossen den Bestrebungen des Obervogten Nankemann anfangs schroff ablehnend gegenüber. Sie befürchteten, durch die Aufforstung Weideflächen für ihre Schafe zu verlieren. Als schließlich am 27. August 1783 in Sögel ein Verhandlungstermin der Markgenossen des Gerichts Lathen und der Hofkammer angesetzt wurde, erschien aus Protest gegen die Pläne des Fürstbischofs fast die Hälfte der geladenen Vertreter nicht bei der Zusammenkunft. Erst zu einem vier Tage später angesetzten Termin kamen die Vertreter der Lathener Markgenossen vollzählig - auch Gerhard Rupennest und Adolph Dürken aus Hilter.
Die Kiefernanpflanzungen, gegen die sich die Markgenossen erfolglos gestemmt hatten, machten schließlich der "dürker windmühlen" auf dem Hilter Berg den Garaus. Ein neuer Standort der Mühle wurde erforderlich, da der nachwachsende Baumbestand den Wind abhielt und dieser dadurch nicht mehr genügend Kraft besaß, um die Flügel in Bewegung zu setzen. Es lohnte sich jedoch nicht, wie es oft üblich war, die Mühle an eine andere Stelle zu bringen, da das Bauwerk schon reichlich morsch und altersschwach war. Der damalige Müller Dürken entschloß sich, etwas nördlich der alten Mühle direkt am höchsten Punkt des Berges eine neue zu bauen.
Der Unterschied zwischen Bock- und Holländer Windmühle 
Der Unterschied zwischen Bock- und Holländer Windmühle:
Beim Typ der Bockwindmühle (links) - die alte Hilter Mühle war eine dieses Typs - muß das ganze Haus gedreht werden, um die Flügel in Windrichtung zu bringen;
bei der, Holländer Windmühle (rechts), wie z. B. der heutigen Hilter Mühle, muß nur die Kappe gedreht werden

 

 

 

 

 

 

Die neue Mühle wurde nach den modernsten Erkenntnissen der Mühlenbautechnik errichtet. Anstelle der alten Kasten- oder Bockwindmühle entstand eine Holländer Windmühle. Die Bockwindmühlen - so beispielsweise die Mühlen von Ober- und Niederlangen - sind schlichte Holzbauten, deren typisches, kantiges Mühlenhaus auf einem vergleichsweise zierlichen Bock ruht. Im Gegensatz zu der Holländer Mühle ist bei der Bockwindmühle nicht der Mühlenkopf drehbar, sondern das ganze Haus der Bockwindmühle muß gedreht werden, um die Flügel in Windrichtung zu bringen. Der Bock der "Stännermöhle", wie sie auf Platt heißt, ruht auf vier Grundsteinen. Einer dieser schweren Findlinge befindet sich noch heute im Wald am Hilter Berg, einige hundert Meter südlich des heutigen Bauwerkes, am Standort der alten Bockwindmühle.
Im November 1818 war es schließlich so weit: Mühlenbaumeister, Gesellen und Auftraggeber Dürken konnten sich nach Fertigstellung der Mühle in dem Kammrad, einem schweren Eichenbalken der die Drehung der Flügel auf die Zahnräder überträgt, mit ihren Initialen verewigen. Von den hölzernen Zahnrädern der Hilter Mühle geht die Hauptachse mehrere Stockwerke senkrecht nach unten zum Mahlwerk, dem Herzen der ganzen Anlage.
Nachdem die Bauern- und Müllerfamilie Dürken - 1830 wird in Hilter ein Vorsteher Dürken genannt - die neue Mühle einige Jahre betrieben hatte, ging sie zeitweise in die Pacht von Müller Anneken über, der ungefähr bis zum ersten Weltkrieg auf dem Hilter Berg arbeitete. Langsam versiegte aber der Strom der vollbepackten Erntewagen, die ihre kostbare Fracht den staubigen Weg zur Hilter Mühle hinaufzogen. Die Nahrung für die steinernen Zähne des Mahlwerkes wurde immer knapper, denn die Technik konnte den Bauern bessere - und billigere - Mahlgelegenheiten bieten als die Mühle auf dem Hilter Berg.
Den übrigen Windmühlen ging es nicht anders. Auch ihre Bedeutung wurde durch neue Spielarten der Technik im Laufe der Zeit erheblich eingeschränkt. Die Windmühlen, noch vor einigen Jahrzehnten Wahrzeichen des Emslandes, wurden immer seltener. Zwischen den Weltkriegen grassierte der "Mühlentod" und verschonte nur wenige der alten Bauwerke. Wo der "Zahn der Zeit" nur halbe Arbeit an den brachliegenden Mühlen geleistet hatte, vollendete vielerorts die Spitzhacke das Vernichtungswerk.
Auch die Hilter Mühle verfiel immer mehr. Zwar wurde sie vor dem Zweiten Weltkrieg noch einmal überholt. Als aber schließlich nur noch ein Dieselmotor die Mahlsteine antrieb, konnte man sich ihre Lebensdauer bereits an den Fingern abzählen. Aber die "mageren Jahre" nach dem Zweiten Weltkrieg waren für die Hilter Mühle fette Jahre: Jetzt
gab es kaum Mahlgelegenheiten. Dankbar griff man auf die bewährt Kraft der Dürkenschen Mühle zurück. Zwar standen die zum Teil zerstörten Flügel still, aber im Innern des Bauwerkes herrschte emsige Treiben. Nach der Währungsreform ruhten aber auch die Mahlsteine. Nun stand sie endgültig auf dem Aussterbeetat. Müller Hermann Dürken zog sich auf das Altenteil zurück. Sein Sohn Heinrich Dürken, der jetzige Bürgermeister von Hilter, widmete sich ganz der Landwirtschaft. In den 50er Jahren stand von der einst stolzen Mühle nur noch der flügelamputierte Rumpf.

Die Hilter Mühle: vor ihrer Renovierung

Die Hilter Mühle: vor ihrer Renovierung

 Die Hilter Mühle: nach ihrer Renovierung

Die Hilter Mühle: nach ihrer Renovierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber das scheinbar unabwendbare Mühlenschicksal unseres Jahrhunderts ging noch einmal an ihr vorüber. Die Mühle, die inzwischen schon fast 150 Jahre auf ihrem hölzernen Buckel hatte, wurde vor einigen Jahren "entdeckt" und konnte schließlich 1964 im Auftrage des Heimatvereins für den Kreis Aschendorf-Hümmling renoviert werden. Mit der Hilter Mühle hatte der Kreisheimatverein die zweite Mühle im nördlichen Emsland vor dem totalen Verfall gerettet. Schon 1957 konnte man die in Niedersachsen einmalige kombinierte Wind- und Wassermühle bei Hüven renovieren. (Eine weitere Mühle dieser Art gab es früher nur noch in Herßum im Kreise Meppen).
Im Oktober 1960 hat man die alte Bockwindmühle aus dem Besitz des Bauern Raming-Freesen in Oberlangen abgebrochen und nach Münster gebracht. Dort fand sie am Aasee als Nachfolgerin einer in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges zerstörten Windmühle eine neue Heimat.
Die Schwester der nach Münster "ausgewanderten" Oberlangener Bockwindmühle, die Niederlangener Bockwindmühle, wurde von dem Heimat- und Verkehrsverein Papenburg aufgekauft und an der Wiek aufgestellt. Auch sie trat an die Stelle einer alten Mühle, die nach dem zweiten Weltkrieg abgebrochen wurde.
Auch in den anderen Emslandkreisen entdeckte man wieder die Mühlen. In Meppen wurde anläßlich der 600-Jahrfeier der Stadt eine in Kranenkamp bei Bockhorn aufgekaufte Windmühle am Zusammenfluß von Ems und Hase aufgestellt.
Der im Jahre 1964 wieder ins Leben gerufene Lingener Kreisheimatverein legte durch die Renovierung der Ramings Mühle in Lengerich einen sichtbaren Beweis seiner erstarkenden Aktivität ab.
Im Mai 1964 erwarb der Heimatverein für den Kreis Aschendorf-Hümmling die Hilter Mühle für 99 Jahre in Erbpacht. Anfang August 1964 hatte auch der jahrelange Schlaf der Mühle ein Ende. Eine Mühlenbaufirma verpaßte dem Oberbau der Mühle ein neues Kleid aus 500 Schindeln; das Mauerwerk wurde zum Teil erneuert. Nach vierwöchiger Arbeit konnte die Mühle wieder mit einem neuen Flügelkreuz in die Landschaft grüßen. Hilter hatte wieder sein Wahrzeichen. Von dem Parkplatz an der B 70 wurde ein markierter Wanderweg zur Mühle angelegt und nach der Devise "Steige aus und wandere" kann sich der Autofahrer auf dem Hilter Berg seine Beine vertreten.
Am 15. Oktober 1964 hatte die Mühle ihren großen Tag: Erstmals nach fast 20 Jahren wurde sie wieder in den Wind gedreht, erstmals nach fast zwei Jahrzehnten drehten sich wieder die Flügel im Wind. Dem alten Müller Hermann Dürken standen die Tränen in den Augen, als er die Wiedergeburt seiner Mühle sah. Überglücklich stieß er aus: "De Möhl drait sick wäer!"
Bei der Einweihungsfeier waren nicht nur die "Heimat-Prominenz" des Emslandes vertreten, auch Heimatfreunde aus dem Münsterland, die die Renovierung finanziell unterstützt hatten, ließen es sich nicht nehmen, die erste Drehung der Flügel der Hilter Mühle mitzuerleben.
Verkehrsdirektor Theodor Breider aus Münster kleidete bei dieser Gelegenheit, wie er es auch schon anläßlich eines Besuches des Kreistages Aschendorf-Hümmling am 9. April 1962 in Münster vor der Oberlangener Bockwindmühle getan hatte, in dichterische Form, was alle Teilnehmer an der Einweihungsfeier empfand.

Der Mühlenbauer und Heinrich Dürken

Der Mühlenbauer und Heinrich Dürken,
der Sohn des alten Müllers
und heutiger Bürgermeister von Hilter,
drehen die Mühle am Einweihungstag in den Wind
  

De Spraok von usse Müehl.

Un wier dreiht in Mönster sick
Ne Müehl in Wind un Wiär.
De Sinn för dat, wat aolt un echt,
un Fröndskopp bracht se hiär.
Dat is so enfak henne seggt,
so enfak äs de Müehlenspraok:
"Suorg Di üm ann're Lüe Glück
un nix nao Luow un Danke fraog.
Dau trü Dien Wiärk un help, wao Naut,
vergiätt Gemöt nich, Hiärt un Seel'!
Dann, Mensk, erst smecken draff Di't Braut,
wann de drüm hungert, auk sien Deel."
Dat is de Spraok von usse Müehl,
off still se steiht - off se sick dreiht.
Jähr Lied von Hülp, Frönskopp und Trü,
von Heimatlaiw und Naoberslü
wiet wägg in alle Winne weiht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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